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Weichpartikelstrahlen – Bericht zum Workshop am Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg

Weichpartikelstrahlen – Bericht zum Workshop am Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg
10. August 2017

[von: Johanna Ziegler M.A., Restauratorin, Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden]

 

Die Reinigung empfindlicher, vor allem poröser Oberflächen stellt für Restauratoren häufig eine große Herausforderung dar. Viele bekannte Methoden der Trockenreinigung gehen mit einer großen mechanischen Belastung einher, sodass eine gründliche Reinigung die Gefahr birgt, die Oberflächenbeschaffenheit irreversibel zu verändern oder das Objekt sogar zu beschädigen.

Bert Jaçek (M.A.) widmete sich dieser Problematik und entwickelte in Zusammenarbeit mit der Firma Deffner & Johann das sogenannte Weichpartikelstrahlen. Bei diesem „sanften Sandstrahlen“ werden unterschiedliche Partikel wie Cellulose- oder Weizenstärkepulver mit Hilfe von Druckluft auf die zu reinigende Oberfläche gestrahlt.

 

Ende Mai organisierte Deffner & Johann einen Workshop am Institut für Kunsttechnik und Konservierung des Germanischen Nationalmuseums, um den Restauratoren des Hauses sowie einigen externen Teilnehmern das Verfahren vorzustellen.
Nach einer theoretischen Einführung widmete sich der Großteil der Veranstaltung der praktischen Anwendung durch die Teilnehmer. Unter der Anleitung von Maren Dümmler (M.A.) und Bert Jaçek konnte verschiedenes Strahlgut an zwei Reinigungsstationen getestet werden. Da Strahlverfahren für Materialien wie z.B. Papier oder Textilien bisher nicht in Frage kamen, war es für viele Teilnehmer das erste Mal, dass sie eine derartige Reinigungsmethode selbst praktisch anwendeten.

 

Um die Handhabung der Geräte kennenzulernen und die Wirkungsweise der einzelnen Strahlmittel einschätzen zu können, wurden verschmutzte Prüfkörper aus verschiedensten Materialien zur Verfügung gestellt. Der Reinigungseffekt und eventuelle Oberflächenveränderungen konnten unter dem Stereomikroskop genau beurteilt werden. Außerdem standen unterschiedliche Radiermaterialien bereit, um die Ergebnisse des Weichpartikelstrahlens mit denen der „herkömmlichen“ Trockenreinigung zu vergleichen.
Nach dem ersten Herantasten mit den Dummies kamen auch Objekte zum Einsatz, die die Teilnehmer selbst mitgebracht hatten und bei denen mit den ihnen bekannten Techniken keine zufriedenstellende Reinigung möglich war.

 

Bei dem Workshop wurde deutlich, dass mit dem Weichpartikelstrahlen bei den meisten Objekten eine sehr gründliche und schnelle Reinigung erzielt werden kann, ohne dabei die Oberfläche zu verändern oder zu beschädigen. Die Teilnehmer waren vor allem von der Vielseitigkeit der Materialien überrascht, für die das Verfahren geeignet ist.
So wurden beispielsweise Wachs- und Kunststoffobjekte, Seidengewebe, durch Schimmel abgebautes Paper und Pergament, Gips, gefasste und vergoldete Oberflächen sowie Holz erfolgreich von Staub und Schmutz befreit.

 

Weichpartikelstrahlen - Blogbeitrag 02

Ein besonderer Vorteil fiel bei strukturierten Oberflächen auf, da kleine Vertiefungen problemlos mit dem Strahlgut gereinigt werden konnten. Es wurden aber auch Grenzen der Methode aufgezeigt. Die Reinigung geschieht in einem Absaugkabinett, in das nur Objekte bis zu einer bestimmten Größe hineinpassen. Lockere Farbschollen können auch bei niedrigem Luftdruck verloren gehen und vereinzelt wurden Oberflächen auch mit dem weichsten Strahlgut leicht verändert.

 

Insgesamt wurde das Reinigungsverfahren "Weichpartikelstrahlen" als sehr nützliche Ergänzung zu den bisher bekannten Methoden eingeschätzt.

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